Bad Grönenbach - Rothenstein Ruine Rothenstein zur Landkarte
Die neue Burg Rothenstein entsand unter den kemptischen Vasallen etwa im 12.Jahrhundert südwestlich vom Kapf am Weg zu Au. Nebenan der 250 Jauchert große Bauhof, auch "Schweizergut" genannt, eine Pferdeschwemme,die neuen Weiher Plannummern 921 a-c. Am Rotensteiner Bach aber die Burgmühle mit Stauweiher, Ölstampfe, eine Schmiede und das Mühlgut(jetzt Burgstüble Merkl). Die Ziegelei stand auf Plannummer 818, südöstlich vom Kapf. Die Herrn von Rotenstein hinterließen ihre Namen zunächst in den Totenbüchern der Klöster Ottoberen (1180,1228 Berthold, 1228 und 1248 Ulrich und Wilhelm von Rotenstein; in Kempten ein Konrad von Rotenstein 1269). Zwischen 1180 und 1228 nennen die Urkunden einen Heinrich von Rotenstein, der auch Laienpriester war. 1239 bis 1277 Ludwig, Hermann und Konrad von Rotenstein, 1267 einen Friedrich von Rotenstein, anno1293 Konrad von Rotenstein, er besitzt als Lehen Rotenstein, Grönenbach, Woringen und Wolkenberg;1315 bereits der Alte genannt, kauft vom Schönegger Ritter Babenhausen zur Hälfte; 1323 baut er die beiden Woringer Burgen. Seine 6 Kinder kaufen die andere Hälfte von Babenhausen dazu, teilten dann aber 1339 ihr Erbe auf. Es ist nun nicht möglich, alle Käufe, Verkäufe und Erbteilungen aufzuführen. Der jugendliche Konrad von Rotenstein auf Wolkenburg bei Wilpoltsried befehdete 1343 das Stift Kempten, wurde aber gefangen und trotz hohen Lösegeldangebots als Landfriedensbrecher enthauptet.Nun kündete die ganze Verwandtschaft der Rotensteiner Fehde an, gab jedoch bald auf. Bei der Erbteilung 1339 bekam Ritter Ludwig von Rotenstein Grönenbach und Unterworingen (mit Kirche und Wasserburg) dazu. Heinrich von Rotenstein mußte seine Stammburg und Calden verpfänden; Konrad von Rotenstein kauft beide 1384 zurück. Seine Tochter Corona von Rotenstein, verheiratete Pappenheim, erbte Rotenstein und Calden. Ab 1440 finden wir den ganzen Besitz, außer Woringen, in den Händen Ludwigs von Rotenstein (siehe Grönenbach). Er starb 1482 in Leostein, wo er sich seit Jahren aufgehalten hatte. Marschall Wilhelm von Pappenheim, Herr zu Rotenstein, kauft 1496 Ittelsburg dazu. Der "tapfere Krieger" starb auf dem Römerzuge seines Kaisers zu Trient. Sein Sohn Wolf von Pappenheim (1515 bis 1558) kauft auch seine Stammburg von den Rotenstein-Falken und ist Besitzer von Hupprechts bei Altusried. Im Bauernkrieg mußte er fliehen.
Marschall Philipp von Pappenheim (1558 bis 1619), der Reformator, unternahm mit seinen Brüdern Christoph und Wolf eine Fahrt nach Jerusalem. Während Marschall Wolf am 10.9.1558 von Italien aus weiterfuhr, kehrten Philipp und Christoph um. In Zürich lernten sie den Prediger Bächli, einen Anhänger Calvins, kennen. Marschall Philipp fand Gefallen an der neuen Lehre und lud Bächli nach Rotenstein ein. Ein Jahr später predigte dieser unter der Linde im Bauhof zu Rotenstein zu Philipps geladenen Gästen. Auch in Privathäusern und im "Bossenwäldchen" wurden die Untertanen umgeschult. Daher der Name Schulerloch.Da nun Philipps Brüder katholisch blieben, teilten sie ihren gemeinsamen Besitz im Ort Grönenbach so, daß immer zwei Höfe den zwei katholischen Herrn, der dritte aber dem Philipp gehörte. Dessen Untertanen hatten den Glauben ihres Herrn anzunehmen. Dieses Verhältnis der Bekenntnisse ist ungefähr bis heute so geblieben. Jedoch dürfte kein Zufall sein, daß nach 1559 und 1650 besonders viele Schweizer Familien in die reformierten Gebiete unserer Gegend einwandern konnten. Noch größere Sorgen als der nun einsetzende Glaubenskampf bereiteten Marschall Philipp die sogenannten Ehehäften, die bisher gemeinsam benützten Einrichtungen, die Besoldung des reformierten Prädikanten und Lehrers, die Abgabe des Kirchenzehnts u.a. die Stiftskirche wurde bis 1649 simultan benützt. im genannten Jahre entstand im Hofe des Gasthauses "Zum Adler" ein reformiertes Predigt- und Wohnhaus (Nummer 18, 19) Viel länger währte der Streit der Beteiligten um die Anteile am reichen Vermögen des Chorherrnstifts. Die Glaubenstrennung griff in der Folge auch tief in die Kassen des Reformators.Er baute hier für seine Untertanen "das Amtshaus" am Rotensteiner Weg. Darin saß sein treuester Verwalter Weidle; (ein gleiches Haus baute er in Herbishofen, jetzt Pfarrhof), einen zweiten Zehntstadel, eine eigene Badstube, eine Taferne, Schmiede und die Untermühle. Zu letzterer wurde eigens das Rotensteiner Bächle vertieft und nördlich der Pfaffenhalde zur Mühle herauf geführt. In seinem ausführlichen Testament sicherte der Reformator seinen Untertanen das neue Bekenntnis. Er starb 1619. Sein Grabmal war lange Zeit in der Stiftskirche. Unter seinen Nachfolgern, dem Marschall Maximilian von Pappenheim +1639 und Maximilian Franz, Graf zu Fürstenberg, werden die juristischen Auseinandersetzungen fortgesetzt;dabei ging der Lehensherr von Kempten mit Waffengewalt vor und vertrieb seine Gegner aus den Schlössern Rotenstein und Calden. Im Jahre 1692 gaben die Pappenheimer ihr Lehen Rotenstein und 1695 die Fugger Grönenbach dem Fürstabte von Kempten gegen Entschädigung zurück. Dem neuen Herrn wurde in Rotenstein und in der Grönenbacher Ritterstube gehuldigt. Die Rotensteiner besaßen neben ihrer Herrschaft seit dem 12. Jahrhundert Grönenbach, 1374 Woringen (bis 1414), ab 1384 die große Herrschaft Calden mit Burg und Dörfern, ab 1410 Ittelsburg und seit 1446 die Herrschaft Theinselberg. Besitz bringt Ansehen ! Viele Rotensteiner und Pappenheimer Herrn und Damen übernahmen Adelsklöster, Frauenstifte, wurden Domherrn, Dekane, Priester, Deutschherrenritter, ein Pappenheimer war Bischof in Eichstätt. Im Dom ist der Pappenheimer Altar zu sehen. Von den weltlichen Rotensteinern starben viele kinderlos; Konrad wurde enthauptet, Jos und Ulrich verarmten, verdingten sich wohl an italienische Städte und blieben verschollen; Ulrich von Rotenstein zu Helmishofen wurde 100 Jahre alt. Als Dienstmannen zogen andere für den Fürstabt von Kempten mit dem Reichsheer nach Italien, oder verdingten sich als Söldner an die Städte südlich der Alpen. Ein Rotensteiner "Rittersöldner" in Neapel fing 1503 bei Cerignola etliche "Eidgenossen" (Schweizer), die er aus Haß übers Meer in die Sklaverei verkauft haben soll. Stammtafel der Rotensteiner, Pappenheimer und Fugger sowie ausführliche Darstellung der Glaubenskämpfe finden sich in Grönenbachs erster Ortsgeschichte von Pfarrer Sedelmayer 1910. (Karl Schnieringer)
Infotafel







Der Rundturm im Westen mit angrenzendem Mauerwerk


Blick von Westen in die Burganlage

Die alte Gedenktafel in der Toranlage, rechts sind die Löcher der Riegelbalken in der Torlaibung noch deutlich sichtbar

Die Nordwestmauer



Kellergewölbe


Hier lag der große helle Stein (rechts) noch an seinem Platz; 6 Monate später nicht mehr, siehe weiter unten




Die Südmauer (auf der anderen Seite ist die alte Gedenktafel)


Der Rundturm im Westen








Hier liegt der helle Stein (herausgerissen?) am Boden (vgl. weiter oben)















An dieser Stelle ist das Kellergewölbe stark einsturzgefährdet