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 Burgstall Limperg (Limberg, Lehenberg, Schlossberg, Löwenberg, Lemberg, Leimberg)

bei Westerheim

 

Zwischen dem Dreieck  Erkheim, Westerheim und Günz  erhebt sich der Lehenberg, ein 60m hoher Bergrücken mit nach Westen steil abfallender Kante, dessen Name schon in  frühester Zeit nicht einheitlich erscheint. Mal heißt es "Limperg" in einer Urkunde aus dem Ende des 13. Jh., später nennt das Volk die Höhe den "Löwenberg". Auf den etwas älteren Generalstabskarten steht Lerchenberg, und auf den aktuellsten Karten wieder Lehenberg - Ein Name, der von Lehen = geliehenes Gut, herkommt.  Auf dem Berg sind zwei Befestigungen bekannt. Einmal die Erdbefestigung der Herren von Günz, östlich über dem Dorf Günz gelegen (Abbruch 1293), und zum anderen der Platz auf dem südlichsten Punkt des Berges. Außerdem soll ein unvollendeter Erdwall den südlichen Lehenberg von Ost nach West im Günzer Gemeindewald queren, der zu einer vorgeschichtlichen Abschnittsbefestigung gehören soll. Beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege steht für die südliche Befestigung geschrieben: "Burgstall des Mittelalters und möglicherweise Siedlung der Römischen Kaiserzeit."

Zum ersten mal wird der Platz vom Ottobeurer Chronist Pater Maurus Feyerabend erwähnt - die Quelle dafür ist leider unbekannt. Um das Jahr 1100 sollen die Edlen Hawin, Adelbert und Kunrad von Wolfertschwenden dem Kloster Ochsenhausen eine Kapelle und einige Höfe samt zwei Wäldern im Dorfe Westerheim geschenkt haben. Mit dieser Schenkung könnte es sich sich erklären, daß das doch weit abgelegene Kloster zu Ochsenhausen im 13. Jahrhundert im Besitz des Lerchenberges war. Es scheint hier also ein Ochsenhausener Dienstmannengeschlecht seine Burg gehabt zu haben. Die nächste Urkunde  stammt vom 21. Mai 1293. Das Priorat des Klosters Ochsenhausen hat sie an Ottobeuren ausgestellt und damit den Berg dem Kloster Ottobeuren übertragen, allerdings mit der merkwürdigen Verpflichtung, die Burg alsbald abzubrechen und die Burgstätte so weit abzugraben, daß niemals dort mehr eine solche gebaut werden könne. Möglicherweise war das Ochsenhausener Dienstmannengeschlecht ausgestorben - in diesen Zeiten verblutete ein Großteil der deutschen Ritterschaft in Italien und auf den Kreuzzügen - und vielleicht hatte sich in der Burg ein Raubritter eingenistet und von dort Unfrieden in die Gegend gebracht. Somit wäre es verständlich, daß Ochsenhausen diesen Besitz einfach hergeschenkt hat,  zudem mit der Burg kein großer Landbesitz verbunden war. Damit aber nie mehr die Umgebung hier durch irgend einen Raubritter bedroht werden konnte, haben sich die beiden Klöster geeinigt, die Feste ganz und gar abzubrechen. In der Urkunde heißt es eigens: "um ihres eigenen Vorteils willen" und so hat es dann auch Ottobeuren gemacht. Es ist kein Stein mehr auf dem anderen geblieben und jetzt noch macht die südliche Befestigung den Eindruck, als wäre sie einstmals vollständig geschleift worden. Hierzu passt auch die Sage vom Ottobeurer Krieg gegen die Raubritter auf dem Lerchenberg. Danach wurde es über 200 Jahre ruhig um den Berg.

Das Abtschloß auf dem Lehenberg

Im Jahre 1460 herrschte in Ottobeuren ziemlich unumschränkt und reichlich unbeliebt der Abt Wilhelm von Lustenau, der dem Kloster aufgenötigt worden war. Wie der Ottobeurer  Chronist Pater Maurus Feyerabend  in seinen Jahrbüchern berichtet, habe Abt Wilhelm (reg. 1460-1473) "als Liebhaber des Prunkes, der Eitelkeit, des Glänzenden und der Gastereien" mehrere große Bauten errichten lassen, so ein Schloß "auf der Höhe des Limpergs, jetzt Löwenberg unweit Westerheim" und eine ähnliche "geräumige Behausung" zu Frechenrieden, die seinen Mönchen ganz überflüssig und zwecklos erschienen. Diese Baulust trieb das Kloster in eine solche Schuldenlast, daß Abt Wilhelm aus Geldmangel mehrere Höfe, Waldungen und Wiesen an seine Untertanen verkaufen mußte.

Bei dem Bauwerk auf dem Limberg muß es sich um ein größeres Schloß gehandelt haben, da der Burgstall mächtige Ausmaße hat.  B.Blum beschreibt den Platz in seinem Katalog der Befestigungsanlagen im Allgäu von 2008 folgendermaßen: Bei der Anlage handelt es sich um einen in der Grundform annähernd 3-eckigen Burghügel in Spornlage, dessen Oberfläche ca. 60m in der Tiefe und ca 50m  in der Breite aufweist. Gegen das Nordgelände hin ist der Burghügel durch einen massiven Innenrandwall und ein insgesamt 4-faches Graben-Wallsystem mit insgesamt  bis zu ca. 50m Breite gesichert. An seiner eigentlich steil abfallenden Süd-Flanke dient dem Burghügel ein großenteils zur Terrasse verschleifter Flankenwall als Befestigung. Die steil abfallene Ostseite sowie die sehr steil abfallende Westflanke weisen keinerlei Befestigungen auf. Die beiden innersten Gräben an der Nordseite, die durch einen stark ausgeprägten Zwischenwall voneinander getrennt sind, sind mit einer Tiefe von ca. 2,5-3m und einer Breite von insgesamt 30m am stärksten ausgeprägt. Eine einstige Vorburg im nördlichen Vorfeld wäre denkbar, lässt sich aber im Gelände durch nichts nachweisen. Riesen Mengen von Bauschutt in Form von z. T. extrem großformatigen Ziegeln sowie Mönch- und Nonnendachplattenscherben legen genauso wie 2 Ausbruchsgruben im Südbereich des Burgplatzes das einstige Vorhandensein von Gebäuden nahe.

Im weiteren Text möchte ich aus dem Beitrag im Spiegelschwab 5/1994 "Das Abtschloß auf dem Lehenberg" von Martin Glöckler zitieren: " Die Zufahrt zum Schloß führte über die Salzstraße, aus Sontheim kommend, bei der alten Kapelle Sankt Barbara geradwegs über einen langgestreckten Hohlweg den Limberg hinauf, oben scharf nach links sich kehrend über eine künstlich angelegte Terrasse in Richtung Südwesten bis zum befestigten Burgtor. Nach der Geländesituation zu schließen, stand innerhalb der Umfassungsmauern im Norden der Hauptbau, im südwestlichen Bereich hat sich vermutlich ein hoher Rundturm erhoben. Im südlichen Hofraum lag der in den Nagelfluhfels geschlagene Brunnen, von dem eine Beschreibung des Burgstalls 1831 zu berichten weiß, daß er einstmals sehr tief gewesen sein soll. Abt Wilhelm führte damals das höfische Leben eines weltlichen Herrschers. Im Sommer verbrachte er wohl die meiste Zeit auf den Landsitzen außerhalb des Klosters, was für die damalige Zeit nicht untypisch war (erwähnt seien nur die Kemptener Fürstäbte mit ihren zahlreichen Burgen wie Liebenthann bei Obergünzburg u.a.). das Schloß auf dem Limberg mit den starken Befestigungen war wohl auch als Zufluchtsort in Notzeiten angelegt. Abt und Konvent konnten sich hier innerhalb der festen Mauern in Sicherheit bringen, wertvolle Schätze und Urkunden im Notfall retten. Unter diesem Gesichtspunkt waren die Baulichkeiten nicht so unnütz, wie sie die Geschichtsschreiber später darstellten. Weshalb Abt Wilhelm ausgerechnet auf dem Limberg an der Peripherie des ottobeurischen Hoheitsgebietes gebaut hat, liegt wohl an der strategisch günstigen Lage an der Salzstraße mit der Ottobeurer Zollstätte am Fuße des Schloßberges. Außerdem war die exponierte Lage des Burgplatzes mit freiem Blick nach Memmingen, südlich zum Hochfirst und nördlich bis nach Babenhausen sicherlich von Vorteil. Bemerkenswert ist auch die Tatsache, daß 1468 das Reichsstift Ottobeuren unter Abt Wilhelm das Dorf Günz mit allen Waldungen von Jodokus Ampfelbrunn (Memmingen/Ottobeuren) zurückerwerben konnte. Vielleicht war dieser Kauf sogar ausschlaggebend für den Burgenbau im unteren Günztal?

Über das Ende des Schlosses schreibt Feyerabend, daß es "nach wenigen Jahren vom Feuer verzehrt wurde". Ein genaues Datum sowie die Ursache des Brandes kann Feyerabend nicht nennen. Daß die Gebäude nicht mehr aufgebaut wurden, gilt als sicher. Das Schloß war offenbar sehr prunkvoll ausgestattet. Einzelne Funde belegen zum Beispiel einen sauber gearbeiteten Kachelofen in feinsten spätgotischen Formen und grüner Glasverzierung. Maßwerkfenster mit Butzenscheiben in Miniaturformat, zahlreiche kleine modellierte Kreuzrippen, Blumen und andere Ornamente zeugen von seiner hohen künstlerischen Qualität. Einzelne Bleiglasuren tragen typische Brandmerkmale, was die überlieferte Feuersbrunst beweisen könnte." Eine Abbildung des Schlosses gibt es in einem Protokoll vom Jahre 1466 und 1708  (im Staatsarchiv München, Best.Ottobeuren, Lit.2). Eine Abzeichung davon in Originalgröße gibt es wiederum in Schnieringers Werk über die Burgställe im Landkreis Memmingen. (siehe Bild weiter unten)

Der Brand muß auf jeden Fall vor 1525 gewesen sein, weil im Bauernkrieg die benachbarte Barbarakapelle von den aufständischen Bauern zerstört und wenig später von der Ottobeurer Herrschaft wieder aufgebaut wurde. Wenn zu dieser Zeit das Schloß noch gestanden wäre , hätte eine Plünderung bzw. Brandschatzung sich auch urkundlich bemerkbar machen müssen. Die Baudaten vieler umliegender Landkirchen in der Zeit zwischen 1470 und 1500 könnten ein weiteres Indiz auf das Jahr der Brandkatastophe sein, da die Steine einer zerstörten Burg in der Regel wiederverwendet wurden.

Mit etwas Wehmut blickt heute der Bugenfreund auf den Gipfel des Lehenberges, mit seinen Gedanken beim alten Schloß und darüber sinnierend, wie schön es doch wäre, hier noch eine richtige Burg stehen zu haben, gleichsam als Krone und Wächterin des Günztals  - um es mit den Worten von Martin Glöcklers zu sagen.

 

Quellen: P. Maurus Feyerabend, Ottobeurer Jahrbücher; Lueg ins Land Nr. 12,1935; Schnieringer, Die Burgställe im Landkreis Memmingen 1949,  Martin Glöckler, Das Abtschloss auf dem Lehenberg im Spiegelschwab 5/94; Boris Blum, Katalog der Befestigungsanlagen im Allgäu 2008

 

 Grundriss m. freundl. Genehm. v. B.Blum aus "Katalog der Befestigungsanlagen des Allgäus"

Skizze aus Schnieringers Werk


Burgställe, Schlösser im Unterallgäu auf einer größeren Karte anzeigen

Ansicht des Burghügels von Süden

Die südwestliche Ecke des Burgstalls

In der Bildmitte bei dem dicken Baum eine Ausbruchsgrube

Die Ausbruchsgrube von der nördlichen Seite gesehen

Gesamtansicht des Burgareals

Blick von Norden aus dem ersten Graben auf das Burgplateau

Blick vom Burgplateau nach Norden in den ersten Graben und Wall

Blick über das Burgplateau nach Westen

Auf dem ersten Wall Blickrichtung Osten

Blick vom ersten Wall über den Graben zum Burgplateau

Blick in die andere Richtung nach Norden

Blick von Norden auf den 2. und 3. Wall

Blick vom äußersten nördlichen Wall nach Süden

Blick vom 2. auf den 1. Wall, dahinter das Burgplateau

Der Lehenberg im Bayernviewer Denkmal

Sage:

Der Prior des Klosters Ochsenhausen ritt einmal mit viel Geld nach Ottobeuren. Er geriet aber in die Hände der Lemberger, die ihn beraubten und in das Burgverließ warfen. Nur gegen hohes Lösegeld wollten sie den Gefangenen wieder frei geben. Die Klöster Ochsenhausen und Ottobeuren schickten aber ihre Schutzvögte mit bewaffneter Macht auf den Löwenberg. Die Burg wurde gebrochen und verbrannt. Die Raubgesellen büßten ihre Greueltaten mit dem Tode. Nur den drei Schloßfräulein geschah kein Leid. Heute noch warten sie auf Erlösung im Innern des Schloßberges. Den Prior des Klosters Ochsenhausen fanden die Vögte übel zugerichtet im Teufelsloch. So nennen die Westerheimer den tiefen Graben zwischen beiden(?) Burgen. Der Prior soll die Rückkehr in sein Kloster verweigert und sich auf dem Berge eine Kapelle erbaut haben. Bis zu seinem Lebensende blieb er auf dem Lerchenberg als frommer Einsiedler.

 

 

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