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 Der Buxheimer Schlossberg (Althayn)

Text von Karl Schnieringer, aus Burgställe im Landkreis Memmingen,1949

Ein Kilometer südwestlich vom Weiherhaus. Von der Wegkapelle an der Buxach zweigt ein Fußweg ab, der auf dem Steilrand des Illerufers südwärts führt und nach 700m  die Befestigung auf dem Schloßberg durchneidet. Die Befestigung besteht aus 2 Teilen. Der eigentliche Schloßberg (A) ist durch einen im Bogen geführten, mächtigen Halsgraben (3) aus dem Steilrand herausgeschnitten. Grabenaushub auf der Innenkannte als Wall. Der vom Wall umschlossene Innenraum 20 mal 30 Meter. Der alte Eingang durch den Graben der Südseite (1), Spuren des Eingangweges erhalten. Der heutige Zugang durch den Graben der Ostseite ist jünger. Die Graben im Innenraum stammen aus den vorgenommenen Grabungen des Jahres 1894; auch der Schlitz durch den großen Grabenwall 9 Meter südlich vom heutigen Eingang ist damals entstanden. Ziffer 2 könnten die Grundmauern eines turmartigen Gebäudes mit 11m Seitenlänge enthalten (römisch!). Im südlichen Graben entspringt eine versumpfte Quelle. Ganz eigenartig ist die dem Schloßberg auf der Ostseite vorgebaute Befestigung (B). Sie besteht aus einem im rechten Winkel gebrochenen Erdwall mit vorgelegtem bis 8m breitem Graben. Er schließt mit seinem westlichen Ende an den Steilhang an. 15m nördlich des großen Halsgrabens, 75m ostwärts - Umfassung des Schloßberges auch auf der Ostseite. Das Südende des Walles und Grabens weist einen Knick gegen Westen auf und endet wie der Graben auch ohne erkennbare Fortsetzung(7). Wahrscheinlich ist die Südseite einmal eingefüllt worden. Im Innenraum der Befestigung (B) fallen einige Gruben auf (4) um deren Rand das Aushubmaterial als Wällchen aufgeböscht ist. Vielleicht beim Ausbrechen von Mauerwerk entstanden. Ebenso die Grube 5! Anlage B ist wahrscheinlich eine Fliehburg. -

Geschichtliche Nachrichten über den Schloßberg fehlen vollständig. Der Volksmund weiß von einem Schloß zu erzählen und daß das Steinmaterial vom Schloßberg zum Bau des Klosters Buxheim verwendet wurde. Die Benennung Althayn stammt aus einer Urkunde vom 13.10.1402. - Unter die Typen der Burgställe des 12./13.Jahrh. läßt sich die Anlage des Schloßberges nicht ohne weiteres einreihen. Was Raiser (Beiträge f. Kunst und Altertum im Oberdonaukreis 1831 S.33) über eine etwa 1166 zerstörte Welfenburg an dem Platz erzählt, läßt sich nicht nachweisen. Wahrscheinlich ist es wohl, daß der Platz eine Zeitlang als Burg Dienste tat. Darauf könnten vor allem die Gebäudereste hinweisen, die der Memminger Verein bei seiner Grabung 1894 fand (Kalktuffmauern und Hohlziegel). Die Gestaltung des Schloßberges (A) zeigt aber doch nicht die Tracht unserer Burgställe, sodaß man ihn nur mit Vorbehalt als die Hauptburg der ganzen Anlage bezeichnen kann - wahrscheinlicher eine Fliehburg aus der Ungarnzeit.

Die älteste Buxheimer Glocke soll in der Welfenburg Althayn gewesen sein. Nach der Illerbeurer Chronik soll auf dem Schloßberg noch eine Glocke vergraben sein. Die Befestigung B könnte römischen Ursprungs sein (Tuffmauerwerk) und ist eine ältere Anlage als A. Als Arbeitshypothese für die Deutung des Schloßberges ergibt sich etwa die Folge: Enstehung aus einer römischen Anlage, einem Burgus mit angeschlossenem befestigten Raum zur Unterbringung einer größeren Feldwache (Vgl. Sennhof bei Heimertingen!). Es mehren sich überhaupt an der Iller entlang die Befestigungen spätrömischer Grenzbefestigungen. Aus dem Kern des Werkes mit dem Burgus wäre dann später etwa in der Ungarnzeit durch die Anlage des großen Walls eine kleine Fliehburg (A) gestaltet worden, wozu für die folgende Burgenzeit des 12. u. 13.Jahrhunderts der Platz auch als Burgstall Verwendung fand.

In der Umgebung des Schloßberges Grabhügelgruppen (s.Plan!) Die einzelen Hügel mit verschiedener Höhe und verschiedenem Durchmesser.  1894 geöffnet und abgetragen: Funde: Kohlenschichten, Feuersteinmesserchen, rote Tonscherben, verzierte Urnen, Schale ohne Verzierung, vermodertes Holzgefäß, Bernsteinring von 6mm Stärke und 38mm Durchmesser (im Memminger Museum!) Grabhügel der Hallstattzeit. (nachDr.Eberl, Lueg ins Land 2.Jahrg.Nr.5 Plan 1:3000 v. Dr.Eberl).- IN der Nähe Buxheims stand auch ein Galgen bei Pl.Nr.1764 "Galgenjauchert".

Denksteininschrift: Schloßberg Buxheim bei den Grabhügeln, burgus der römischen Reichsgrenze, Fliehburg der Ungarnzeit, welfische Dienstmannenburg, zerstört 1166, Kloster-Viehberge seit 1402. Urkundenmaterial über die Kartause und Herrschaft Buxheim im Klosterarchiv Ottenbeuren.

Der Text von Schnieringer sollte kritisch gelesen werden, zur Vertiefung habe ich den Bericht von Dr.B.Eberl aus dem Jahr 1935 hier verlinkt, der sehr genauer ist.

Bericht von Dr.B.Eberl im "Lueg ins Land" von 1935 S.17-19

 

 Zugang am Besten von Norden ab Koordinaten: 47.994955,10.127066.  Der Gedenkstein kam wahrscheinlich niemals zur Ausführung. In einem Beitrag des Spiegelschwabs aus dem Jahr 1975 steht, daß ein Gedenkstein leider immer noch fehlt. Dort steht auch, daß die Anlage aus vorrömischer Zeit stammt wie die benachbarte Grabhügelgruppe. Die Benützung durch die Römer wird durch einen Schatzfund erhärtet, der 1749 in einem dem Kloster benachbarten Garten gemacht worden ist. Hermann Zeller will in den kleineren Mulden innerhalb der Anlage Spuren eines römischen Estrichs entdeckt haben. Sonst sind aber durch mehrfache Schürfungen im Burgbereich (Dr. Julius Miedel, Dr. Barthel Eberl, Dr. R. Knussert) keinerlei römische Funde gemacht worden. Der sehr tiefe Abschnittsgraben am Steilhang ist der Art nach hochmittelalterlich.

 

 

Burgställe, Schlösser im Unterallgäu auf einer größeren Karte anzeigen

Skizze von Karl Schnieringer zum Schlossberg Buxheim 

Skizze von Karl Schnieringer zum Schlossberg Buxheim (nach Westen ausgerichtet) Original von Dr.B.Eberl

Hier zum Vergleich der Grundriss aus dem Lueg ins Land von Dr. B.Eberl
 

Von Norden her kommend

 

Der tiefe Graben; links der Wanderweg, rechts der Burgstall

nochmal von einer anderen Perspektive

auf dem Burgstall, auf dem höchsten Punkt

Blick zum südlichen Graben

Zugang zum Burgstall von Westen

Grube Nummer 4

Graben und Wall im Bereich "B"

Bereich bei Punkt 4

 

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