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Heimertingen

Befestigung beim Sennhof

Alternativnamen: Burgstall auf dem Weßberg, Schloß auf dem Wöschberg, Burgus beim Sennhof

 

Abschnittsbefestigung mit einem im rechten Winkel gebrochenen Abschnittsgraben und Wall. Auf der Ostseite hat der Innenwall etwa 65, auf der Südseite 60 Meter Länge. Die Nord- und Südseite werden  vom Terassenrand gebildet und zeigen keine Spuren von einer Randwehr. Der Innenwall zeigt kräftige Ausmaße, über 2m Höhe, Graben 2m tief, 6-8m breit. Außenwall verschleift 80 und 70m lang. Die Ecke der Befestigung zeigt eine deutliche Abrundung. Eine absonderliche Erscheinung ist  ein Gebäuderest in der SO-Ecke, wahrscheinlich ein rechteckiger Turm, der etwa 10-11m Seitenlänge besaß. Seine Mauern sind herausgebrochen. Bauschutt, Kalktuffbrocken und Hohlziegeltrümmer erfüllen seinen Raum. Eingangstor im Süden. Die zeitliche Stellung der Anlage ist nach dem heutigen Befund mittelalterlich. Reste finden sich reichlich, siehe Bauschuttschicht in der angrenzenden Kiesgrube. Geschichtliche Nachrichten über diese Burgstelle fehlen. Als Sitz des Dienstmannengeschlechtes von Heimertingen kommt der Platz nicht in Frage. Deren Burg war im Orte selbst an der Stelle des Pfarrhofes. Dagegen könnte F. Eggmann (Gesch. des Illerstales) recht haben, wenn er hier die Burg eines mit den Eisenburgern verwandten Edelgeschlechtes sucht, das sich nach dem nahen Egelsee nannte, "1468 Heinrich von Eisenburg, zu Egelsee, gesesssen". Ob schon früher ein anderes Geschlecht hier seinen Sitz hatte läßt sich nicht nachweisen. Die Anlage Weßberg unterscheidet sich von den geläufigen Burgstalltypen. Sie mag ursprünglich anderen Zwecken gedient haben, ehe sie als Burgstall Verwendung fand.  Der Innenwall zeigt die Eigenart mittelalterlicher Arbeit. Aber schon der Außenwall und noch mehr ein kurzes Wall u.Grabenstück  auf der Westseite, welches anscheinend gegen die Mitte zu durch flache Hochäcker zerstört ist, zeigen das eigenartige schwache Profil, wie wir es nur von einer Reihe spätrömischer Befestigungsanlagen der Illergrenze kennen. Dazu kommt noch die erhebliche Abrundung der Südostecke und die auffallende Stellung des Turmes in dieser Ecke mit den üblichen Außmaßen römischer Wachttürme. Für einen römischen Burgus mit Raum für eine größere Feldwache wüde die Lage ausgezeichnet entsprechen. Gewißheit darüber würde eine Grabung ergeben. Das Ende der mittelalterlichen Burg (eingebaut) ist in der Pfarr-Registratur Heimertingen anno 1695 erwähnt, welche die Einkünfte der Pfarrei zusammenstellt und dabei auch spricht von der "Sennerei=Sennhof beim abgebrannten Schloß auf dem Wöschberg".

aus Karl Schnieringer, Burgställe im Landkreis Memmingen, 1949

 

Der Burgstall befindet sich ca. 1900m SW von der Kirche in Heimertingen entfernt, auf einer sanft in N-Richtung hin vorstoßenden Geländestufe. Er besitzt eine rautenförmige Grundform mit ca. 65 x 65m Grundfläche. Seine Befestigung besteht aus zwei nahezu rechtwinklig aufeinander zulaufenden Wällen mit ca. 1 - 1,5m Höhe, die der SO-bzw. SW-Seite aufsitzen. Ein ungefähr 11m breiter Graben mit schwachem Außenwall ist den beiden Wällen vorgelegt und befestigt dadurch den Platz in recht anschaulicher Art und Weise. Eine wohl neuzeitliche Walleinebnung in der Mitte der SW-Seite stört die Anlage in beträchlichem Umfang. An der S-Spitze scheinen Ausbruchsspuren und Reste von losem Mauerwerk in Form von Tuff-, Rollstein- und Mörtelbrocken das ehem. Vorhandensein eines wohl turmartigen Gebäudes anzudeuten, das dort einem evtl. Angreifer als erstes entgegenstand. Ansonsten ist der Burgplatz völlig eben und nichts lässt auf das Vorhandensein weiterer Gebäudereste im Boden schließen. Der SO-Seite des Burgstalles unmittelbar vorgelagert befindet sich ein kräftiger Altwegeeinschnitt, der dort von NO her ansteigend die Geländestufe überwindet. Funde vom Platz sowie geschichtliche Nachrichten, die Aufschluss über sein Alter geben könnten sind völlig unbekannt.

"Stadt und Landkreis Memmingen"; v. Dr. Adam Horn, 1959. S222

Katalog der Befestigungsanlagen im Allgäu, B.Blum 2008

Grundriss mit freundl. Genehmigung v. B.Blum

 

 


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Ansicht von Norden

Nordseite der Anlage. In der Mitte des Bildes sind deutlich Wall und Graben erkennbar

Altwegeinschnitt. Hinter dem Bildstock befindet sich der Burgstall

Die Ostseite mit Außenwall, tiefem Graben und Innenwall

Der östliche Graben, Blickrichtung nach Süden

Der östliche Graben, Blickrichtung Norden

Der östliche Graben mit dem großen Innenwall, Blickrichtung Norden

Südostecke mit Ausbruchsspuren, hier stand vermutlich ein Turm

Südseite des Burgstalls mit einem nachträglich durch Graben und Wall geführten Weges

Durch den Wall gebrochener Weg im Südwesten

Der südwestliche Wallgraben vom Wegeinschnitt aus gesehen

Die Südwestseite des Burgstalls

Die ebene Innenfläche des Burgstalls, im Hintergrund der östliche Wall

 

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