Kronburg, Höhenheiligtum auf dem Hohenrain
Die Befestigungen auf dem Hohenrain, Gemeinde Kronburg (Memmingen)
von Kreisheimatpfleger Dr. B. Eberl
Der Hohe Rain (757 Meter) ist die auffallende Waldhöhe zwischen Grönenbach und Kronburg. Sie trägt auf einem hoch hinaufreichenden tertiären Flinzsockel eine Decke des alteiszeitlichen, zu Nagelfluh verfestigten Günzschotters, der hier und auf der Kronburghöhe der einzige Rest aus dieser alten Phase der Eiszeit ist zwischen den alten Schottern im Aufbau der Schrattenbacher Höhen im Osten und den Höhen, welche im Westen das Aitrachtal säumen. Auch die eigenartige, von Südost nach Nordwest streichende Richtung der Höhen hat ihren Grund in der Richtung der hier in der Eiszeit wirkenden Kräfte. Erwähnt wird der Hohe Rain schon im Jahre 983, in dem in einem Zeugenprotokoll festgestellt wurde, dass schon seit der Zeit Karls des Großen die Grenze des Kemptner Immunitätsbezirkes von der Lautrachmündung in gerader Linie über den “Hochinrain” lief und von da zum “Sedinbrunnin” (Sedelbrunn) an der Riedlessteig bei “Wolfoltiswendi” (Wolfertschwenden). Heute läuft keine Grenze mehr über die Höhe.
Der südliche Teil des Hohen Rains besitzt eine Einsattelung, über welche der Fußweg von Hörpolz nach Unterbinwang geht. Südlich des Sattels bildet eine Kuppe, der “Roßrücken”, die Südost-Ecke der Höhe. Er trägt eine sehr verschliffene Befestigung (s.Abb.1). Die ziemlich ebene Oberfläche zeigt künstlich abgesteilte Ränder, aber keinen Randwall. Nur auf der Bergseite gegen den Sattel zu findet sich ein ziemlich starker, heute in die Breite auseinander gezogener Wall (1). Eine schmale, künstlich angelegte Aufstiegrampe (2-2´) führt auf seiner Südseite hinauf zum alten Eingangstor (2´). Auf der Südostecke findet sich am Fuß des Steilhanges ein über den Grat gezogenes schwaches Wällchen (6) mit Innengraben, das ein Stück weit auf der Ostseite entlang eine Fortsetzung in der Andeutung einer schmalen Terrasse besitzt. Das sind die ganzen Reste der Befestigung, es findet sich kein Anhaltspunkt, dass sie einst größeren Umfang oder größere Stärke besaß. Sonst zeigt die Oberfläche ein paar Gruben (3,3) und einen kleinen Hügel (6), sowie auf der Westseite ein Viereck (4) mit den zeitweise sehr deutlichen Gräben herausgerissener Grundmauern, das auf ein Gebäude oder einen Turm von etwa 11 Meter Seitenlänge schließen läßt, in dem eine Querteilung vorhanden war, wie ein Quergräbchen innerhalb des Viereckes verrät.
Die Anlage zeigt gar nichts von der Art mittelalterlicher Befestigungen. Auch römische Befestigungstechnik tritt nicht deutlich in Erscheinung. Die Anlage könnte sogar älter sein. Tatsächlich erweist sich denn auch das an dem Platze um das Viereck reichlich im Boden sich findende Scherbenmaterial als hallstattzeitlich. Wir stehen also hier auf einer Höhensiedlung der Hallstattzeit (Grabhügelstufe), welche den Schutz durch die natürliche Lage mittels einiger künstlicher Befestigungen verstärkt hat. Das Mauerviereck im Verein mit dem Mauerschutt und den darin sich reichlich findenden Kalktuffbrocken (auch verbrannten) läßt mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass auch ein Gebäude der römischen Zeit den platz zu seinem Standorte gewählt hatte. Ob es sich bei diesem Gebäude um ein Höhenheiligtum handelt, wie die Querteilung des Grundrisses andeuten könnt, oder ob hier einer der steinernen Wachttürme des spätrömischen Grenzorganisation stand, wie es nach der für diese Türme bei uns gewöhnlichen Seitenlänge von 11 Metern möglich ist, kann nur durch eine noch ausstehende Grabung erschlossen werden. Handelt es sich, wie es am wahrscheinlichsten ist, um einen der steinernen Grenztürme der spätrömischen Illergrenze, so gibt die Lage des Turmes neue Einblicke in die Organisation dieser Illergrenze. Sie machte auch die in der alten Literatur ohne tatsächliche Unterlagen behauptete Annahme eines solchen Wachtturmes an der der 1,7 km entfernten Kronburg wahrscheinlich und brächte vor allem ein neues Beispiel zu zahlreichen anderen für die Wahrscheinlichkeit, dass eine ältere, nicht in Steinbau ausgeführte Reihe von Grenzwachanlagen, die unmittelbar an der Iller lagen, abgelöst wurde durch eine Reihe von Steintürmen, die in ziemlicher Entfernung hinter der Illerlinie erstanden. Das Material dafür ist an anderer Stelle vorzulegen.
Quelle: Memminger Geschichtsblätter 1935/20./21
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Blick von Norden auf das Höhenheiligum

Blick nach Süden