Auf vielen Land- und Wanderkarten ist noch ein Burgstall eingezeichnet, den es dort nie gegeben hat. Dieser Fehler ist bis heute noch nicht ausgemerzt worden wie die aktuelle Karte des “Bayern-Viewers” zeigt: Lage des "Phantom"-Burgstalls mit Bayern-Viewer
Im Allgäuer Burgenbuch von Dr.Merkt ist der Burgstall unter der Nummer 679 als Burgstall im Walde, mit dem Vermerk "unvollendete Anlage?" verzeichnet.
“Umbettungen” von Merkt-Steinen
Schon dem Vater der Allgäuer Burgenforschung, dem unvergessenen Oberbürgermeister Dr. Merkt, Kempten, soll bekannt gewesen sein, dass ein Gedenkstein im Wald bei Woringen, ca. 150m nördlich der Straße nach Kronburg und ca. 100m vom ostwärtigen Waldrand entfernt, 1936 irrtümlich gesetzt, d.h., dass dort kein Burgstall, nicht einmal ein unvollendeter war. - Da aber das Aufstellen eines Gedenksteines mit seinen gut 3 Zentnern aus manchen Gründen in den 30er Jahren etwas einfacher war als das Abbauen heute, hat es Jahrzehnte gedauert, bis dieser Fehler korrigiert wurde. (Vergleiche “Memminger Geschichtsblätter” 1952/53, Seite 13, Anmerkung 1).
Nun am 2.Oktober 1972 war es soweit. Sechs Heimatfreunde, die Herren Holzmann von Ottobeuren, Inninger von Attenhausen, Depprich, Kleß und Öxle von Woringen und Bolkart von Memmingen, trafen sich um 13.30 Uhr in Woringen bei Kleß.
Mit einem geländegängigen Traktor, Dielenbrettern, Befestigungsketten, Pickel, Schaufel und Steinmetzwerkzeugen im Anhänger von Meister Holzmann ging es ans Werk in den Wald. Mit Meißel und Hammer wurde der “Kopf” vom “Rumpf” getrennt. Auch zementierte Verzapfungen konnten dieser rohen Gewalt nicht widerstehen. Herr Öxle packte den über 1 Zentner schweren Betonklotz, als wären es 10 Pfund Leberkäs, und trug ihn zum Traktor. Der ca. 2 Zentner schwere “Rumpf” war auf etwa 1 qm bis 20 cm tief einbetoniert. Mit einem 20cm langen und 10mm starkem Eisenstift, der zur einen Hälfte in den Beton, zur anderen Hälfte in den Stein ragte, machte es einige Mühe, ihn vom Waldboden zu lösen. Aber auch er landete schließlich auf dem Traktor. Die Fahrt ging auf den nahen Burgösch, wo ein Stein folgendes erzählt:
“Oberer Burg Woringen der Ritter von Rotenstein, Feste auf dem Burgösch, erbaut 1323, erworben 1414 von dem Ravensburger Bürger Möttelin, Lehen vom haus Österreich.”
Allerdings stand diese Burg ca. 150m nördlicher, als Merkt annahm. Es war also auch hier eine Korrektur vorzunehmen. So wurde der “Kopf” mit Inschrift auch vom “Rumpf” getrennt und der “Kopf” vom Wald darauf gesetzt. Bald wird eine aufgeschraubte neue Tafel davon erzählen, dass hier rund 300 Jahre v. Chr. Eine keltische Wallgraben-Befestigung war.
Der “Rumpf” vom Wald und der “Kopf” vom Burgösch fanden ihren neuen Standort am Rand des schönen Freiplatzes vor der ehemaligen Burg, dem Kellerberg, von wo aus man weit nach Norden und Osten schaut. Wenn Du, lieber Leser, jetzt richtig genug hast vor lauter “Kopf” und “Rumpf”, dann sei Dir geraten, doch einmal den reizenden Spaziergang auf den Burgösch zu machen und die zwei Steine zu suchen. Beim Betrachten der Steine wird Dir sicher klar, was “Kopf” und was “Rumpf” ist. Aber tu bitte den Blechhut, der die Schrift schützt (beide “Blechhüte” kommen nach Ausbeulung usw. wieder an Ort und Stelle) fein säuberlich wieder drauf. Denn, “wer da Huat rah tuat, tuat´n meh nauf”.
Um 17 Uhr war die Arbeit beendet, und was lag näher, als das gelungene Werk mit einer guten Brotzeit zu feiern? Da zeigte es sich dann, dass es gar nicht stimmt, wenn das Sprichwort sagt: “Wia oiner schaffet, so ißt´r.” Denn die zwei, die nichts geschafft hatten, aßen und tranken genau so viel, wie die vier anderen.
Willi Bolkart
erschienen im Spiegelschwab 1972 Nr.11 Seite 44